ErziehungsSachen

Wolkenköpfchen

Wenn ein Mensch in einigermaßen verwirrtem Zustand in der Gemüseabteilung nach den plötzlich verschwundenen und sonst immer dort vorhandenen Schnitzeln fragt, dann erntet der Verwirrte erst mal nur amüsiertes Grinsen oder eine Hilfestellung der Anwesenden auf dem Weg in die Fleischabteilung. Sollte die verwirrte Person in der Fleischabteilung den Eingang zur U-Bahn vermissen, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass er in der nächsten Stunde unfreiwillig psychiatrisch untersucht wird.

Der Psychiater fragt zuerst: „Welchen Tag haben wir heute und welchen Monat zeigt der Kalender?“ Fällt die Antwort zu seiner Unzufriedenheit aus, ist der Weg in die Klinik nicht mehr allzu weit. Das nennt man im Fachjargon „WolkenkopfFragen nach der räumlichen und zeitlichen Orientierung.“

Damit wäre ich bei den Wolkenkopf Kindern angekommen. Denkt bitte nicht, ich als Mutter wäre in näheren Kontakt zu so einem Wolkenkopf gekommen…nein. Ich spreche hier aus Zweithand Empirie  (besser wäre es, ihr glaubt mir an dieser Stelle kein Wort).

Fabian,12, sechste Klasse Gymnasium.

Mutter: Fabian, welcher Tag ist heute? Du musst doch wissen, wann Du Sport hast und Deine Klamotten brauchst!

Fabian: Keine Ahnung? Donnerstag? Freitag?

Mutter: Fabian, Mensch, was hast Du gestern Morgen gemacht?

Fabian: Wir waren alle schwimmen!

Mutter: Richtig! An welchen Tagen geht das denn, dass wir morgens alle schwimmen gehen?

Fabian (strahlend): Es war Sonntag gestern! Also muss heute Montag sein!

Mutter (erleichtert): Super! Hast Du heute Sport?

Fabian: Keine Ahnung. Muss mal auf den Plan sehen.WM 14 2

Mutter bricht stöhnend zusammen.

Sechs Jahre später. Fabian ist 17,345 Jahre alt. Zwölfte Klasse. Abi- Jahrgang.

Mutter: Hey. Du hast bald Deinen achtzehnten Geburtstag! Den musst Du richtig feiern! Da machen wir ein Fass auf!

Fabian: Ach? Hab‘ ich? Echt? Wann denn genau?

Mutter: Oh mein Gott! Du wirst doch wohl wissen, wann Du Geburtstag hast! Du machst bald Dein Abi!

Fabian: Im Sommer. Juli? August? Irgendwie so. Ich glaube im August!

Mutter: Ich schreie gleich!

Fabian: Was haben wir denn gerade für einen Monat? Frühling?

Mutter : AAARGGGGG…

Genau, liebe Leser, das ist ein Wolkenkopf! Die gute Nachricht ist, dass es meist Kinder mit dicken Nerven sind. Die brauchen sie auch, da die Eltern von Wolkenköpfen zunehmend nervenloser werden. Nichts bringt diese Kinder schnell aus der Ruhe. Nichts. Die schlechte Nachricht ist:

Wolken kopfEinmal Wolkenkopf, immer Wolkenkopf.

Hier die möglichen Eltern-Kind Paarungen mit Ausblick auf Unannehmlichkeiten, die locker zwei Jahrzehnte dauern können:

Mutter: Wolkenkopf, Kind: Wolkenkopf, Vater: Realist  = glückliche Mutter, glückliches Kind, nervenkranker Vater, Kühlschrank oft leer.

Mutter: Realistin, Kind: Realist, Vater: Wolkenkopf = keine Störung des Tagesablaufes. Logistik und Kühlschrankfüllung funktionieren.

Mutter: Realistin, Kind: Wolkenkopf, Vater: Realist = Gegenseitige Schuldsuche, von wem das Kind das hat. Hier wird ohne zögern bis in die dritte Generation zurück gegriffen. Ur-Ur-Großtante Else wird nach Jahren als Schuldige aus dem Wolkentopf gezogen. Danach geht es dann besser.

Mutter, Vater und Kind: Wolkenköpfe.

Vorsicht! Hier gibt es selten was zu essen. Die Betten sind wahrscheinlich nicht gemacht. Vom Fußboden frisst nur der Hund und das widerwillig. Aber es wird viel gelacht. Klopapier ist auch nicht immer vorhanden aber Indien ist ein Vorbild, was fehlendes Papier angeht. Abends hängen Mutter, Vater und Kopp in den Wolken im Netz herum und recherchieren über Indien und Klopapiermangel sowie den Gebrauch der linken Hand. Später gibt es Hausmusik in zerwühlten Betten und mit leerem Magen.

Fazit:

Ich liebe Wolkenköpfchen! Sie zeigen den Realisten, wie unwichtig es ist zu wissen ob heute der dritte, sechste oder zwanzigste Februar ist.

Es ist irgendein Tag an dem wir leben!

Aufgeschrieben und erinnert für einen meiner geliebten Söhne.

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