nucki-liga

Interessantes aus der Kinderheilpraxis

Ben-Alis Gipsbein

Sommer 2011:

Auf geht’s in meine Praxis in der Innenstadt. Mit der Rolltreppe  fahre ich in die Hölle der U-Bahn, hinter mir hampelt ein  vierjähriger Knabe mit  seinem schickem Gipsbein und  Roller. Vor mir ein riesiger Kinderwagen mit  anhängender Mutter.

Das Kind brüllt „Annae“,  die Mutter schreit durch mich hindurch:
“Machst du nix mit Gipsbein. Bleibst du stehen. NEIN. NEIN. Ich sagen, bleibst du jetzt endlich stehen.“
Während der  Knabe sein Gipsbein auf das schwarze  Gummiförderband des Handgriffs der Rolltreppe abzulegen versucht, rauscht mir sein Roller in die Achillessehne. Autsch. Auf einem Bein balancierend droht der  Junge auf der schmalen Rolltreppenstufe sein  Gleichgewicht zu verlieren. Die Mutter kreischt hysterisch.

Das Kind schreit:
„Annae, Annae.“ was  nach meinem Kenntnisstand der türkischen Sprache soviel wie „Mutter“ heißt. Als hätte seine Platte einen Sprung, wiederholt er seinen Verzweiflungsschrei etliche Male. Bei mir springt jetzt auch was. Ich greife den Lümmel  an seinem rechten  Arm, kneife meine Augen bedrohlich zusammen und ich zwinge seinen Blick in meinen.

Dann sage ich es:
“ Wenn Du nicht sofort dein Bein wieder da runter nimmst, dann verhaue ich dir den Hintern. Und dann haste Grund zum Schreien.“
Der Kleine sieht mich respektvoll an und wuchtet sein Bein vom Gummihandlauf der Treppe. Mit eisernem Griff halte ich ihn an seinem Arm und schreiend und rangelnd erreichen wir das Ende der Rolltreppe. Die Mutter dankt mir tausend Mal für die Rettung des Gipsbeines, der Kleine streckt mir zum Abschied die Zunge entgegen.

Das greife ich gerne auf und zeige ihm meine Zunge. Wir sind fertig miteinander.
Im Supermarkt  bin ich schnell unterwegs, um eine Tüte Milch für  meinen notwendigen Morgenkaffee zu kaufen. Mit der Milchtüte unterm Arm in der Kassenschlange wartend, erreicht mich schon wieder Kindergebrüll.

Dieses Mal will ein wohl zweijähriges Kind etwas Süßes. Dann reines Kölsch aus Mutters Mund, ein „Kölsch“ , dem ich nie mehr mächtig sein werde. Die Ausnahme: Es ist gelb und befindet sich in einem Bierglas.
 „Ich hab‘ dir jesach, heute jibbet hier nix. Halt endlich dinge Schnüss, sonst knallt et jleich.“

(Freie Übersetzung der Autorin: Würdest du bitte mit dem elenden und vor allem nutzlosen Geschrei aufhören, denn heute werde ich dir hier und jetzt nichts Süßes kaufen. Du weißt, wir haben das schon mehrmals diskutiert. Ich hoffe auf deine Vernunft und deinen Respekt meiner Haltung gegenüber. Andernfalls wäre es unter Umständen möglich, dass meine Finger sich gleich auf deiner Wange wiederfinden. Und das könnte ein bißchen schmerzen.)
Im Gegensatz zu anderen Müttern ist diese Frau  pädagogisch konsequent. Heißt doch eine eiserne Erziehungsregel „Drohe nie etwas an, was du nicht durchführen kannst.“  Es macht klatsch und dann schreit es.  Mitten ins Gesicht des zweijährigen Mädchens. Ich gehe zu der Frau, die gerade ihr Kind geschlagen hat und es macht „Klatsch“ in das Gesicht der Frau.

Rechte Seite. Fünf Finger. Rot.

Das Kind hört auf zu weinen und lacht. Die Mutter lacht nicht. Sie ist wütend. Ich auch. Wir starren uns an wie Hühner.

Dann zahle ich meine Milch.

Dabei denke ich daran, dass ich vergessen habe, meinem Kater Schulbrote einzupacken und meinem Sohn das Trockenfutter in den Napf zu geben. Mist.

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Lennarts Ohren

Wenn ich an diese Begegnung denke, die in meinen allerersten Praxisjahren stattgefunden hat,  erhöht sich mein Puls…in all den Jahren habe ich so etwas nicht mehr erlebt:

Nehmen wir einmal an, ich warte an einem blaugelben Maitag auf meinen nächsten Patienten. Schaue unbefangen aus meinem Fenster , um einen Blick auf die Strasse zu werfen ob da schon der kleine Lennart  zu mir auf dem Weg ist.

In diesem Moment hält vor meiner bescheidenen Praxistüre das Auto auf dem Bild rechts:

Der livrierte Chauffeur öffnet den Schlag und heraus gleiten: Eine Art Königin, gefolgt vom kleinen Prinzen und der König by himself. (ich nenne sie hier einfach mal königlich)

Der König war  sicher ungefähr 2,90 m lang und sehr beeindruckend mit seinem Hut und einem langen schwarzen Mantel.(wahrscheinlich war er doch nur  2,45 m, ich war nur so beeindruckt)

I was not amused. Ich ahnte, dass das eine besondere Stunde wird.

Hüpfen wir mal rein, in das damalige Gespräch:

König: Ich bin heute nur mitgekommen, um meiner Königin zu beweisen, dass sie ein Scharlatan sind!

Die Königin blitzt ihren Mann aus dunklen Augen wütend an.

Ich sage (lachend): Soso. Das ist interessant.

Schuhe verkaufen oder Taxi fahren wäre auch ein guter Job für mich.

König: Meine Frau ist zu meinem großen Bedauern sehr esoterisch veranlagt. Sie glaubt an alles, was nicht wissenschaftlich zu begründen ist: Pendeln, Wünschelruten, Voodoo Kult und  Canthariden Pflaster.

Ich: Da werfen sie aber einiges in den Gemüsetopf! Vo0doo und Canthariden Pflaster sind völlig verschiedene Dinge.

Ich überlege, ob Früchte und Gemüse verkaufen auch eine Alternative wären.

König (springt vom Stuhl auf und schnappt sich das ruhig dasitzende Prinzchen): Da! Sehen sie! Das hat meine Frau mit so einer Kräuterhexe ausprobiert! Als Lennart eine Mittelohrentzündung hatte! Verbrennungen hat mein Sohn davon!

Er zeigt mir die Stelle hinter dem Ohr und tatsächlich, dort ist eine infizierte Verbrennung zu sehen, die nach Cantharidenpflaster aussieht, das zu lange dort geklebt hat.

Prinzchen grinst. Er scheint seine Eltern zu kennen.

Ich: Das sieht nicht gut aus.Die Wunde müssen wir zuerst versorgen.

Königin (kleinlaut): Das tut mir auch schrecklich leid, das habe ich zu lange kleben lassen. Lennart, so was machen wir nie mehr.

König(laut zur Königin) : Du bist eine Hexe! Ja, das bist du! Aber so was machst du mit meinem Sohn nicht noch einmal!

Ich wünsche mir ein winzig-baby-kleines Loch, in dem ich mich mal eben parken kann.Bis sie weg sind, zum Beispiel.

Ich (trotzdem lachend): Beruhigen Sie sich. Sie kommen also zu mir, um mich als Scharlatan zu enttarnen und ihre Frau als Hexe zu bezeichnen?

König (hat sich wieder hingesetzt und ist ruhiger): Ja. Nein. So ungefähr. Ich will nur nicht, dass noch einmal so etwas passiert.

Ich: Das verstehe ich. Dann lassen sie uns endlich mit der Arbeit anfangen.

Nachdem wir eine Stunde die Krankengeschichte der dauernd wiederkehrenden Ohrenentzündungen und Tubenkatarrhe aufgenommen haben, gebe ich den Eltern zwei homöopathische Arzneien mit.

König: Und wenn wir die Kügelchen in Wasser aufgelöst haben, muß ich dann nachts bei Vollmond unter einer Eiche stehen und “Glaubuli,Glaubuli” rufen? Und dabei im Kreis gehen? (er grinst)

Ich (lachend): Wenn’s ihnen hilft, an die Glaubulis zu glauben, dann machen sie das. Sie müssen gar nicht  ”glauben”, ich mache hier ja keine religiösen Rituale. Also: Wenn sie es einfach so machen, wie ich es ihnen gesagt habe, dann sollte das heilsam sein.

Ich verabschiedete die königliche Familie und schickte sie zu ihrem Chauffeur, der Zeitung lesend hinterm Steuer wartete.

Im Laufe der Behandlung sah ich dann nur noch Prinz und Königin.

Den König sah ich nie wieder.

Aber er schickte mir Patienten im Laufe der Jahre.

Die Königin ließ mir ausrichten, “dass der König ein großer Fan von Ihnen und Ihrer Medizin ist.” Und dass er nie mehr Homöopathie und Esoterik verwechseln wird. Besonders dankbar sei ihr König, dass sie aufgehört  habe zu hexen.

Abrakadabra. Simsalabim.

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Ferdinands Musik

Ich lese ein Buch über Clara Schumann, die überragende Pianistin und Frau des großen Komponisten Robert Schumanns. (der übrigens an den Spätfolgen der Syphillis gestorben ist. “Paralyse des Gehirns” nannten die “Irrenärzte” das Leiden in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts.)

Gleich auf der zweiten Seite im Buch finde ich zu meiner großen Überraschung folgenden Satz über Friedrich Wieck, Claras gestrengen Vater, der die musikalische Erziehung zur Pianistin fast zwei Jahrzehnte übernahm:

“Neun Jahre lang war er Hofmeister. Dann mußte er aufgeben: Gesichtsschmerzen, Trigeminus. Ihm wurde ein Arzt empfohlen, Samuel Hahnemann, der Begründer der Homöopathie. Der heilte ihn nicht nur, der lehrte ihn auch gesunde Lebensweise! Vor allem: Viel spazieren gehen!”

Na. Das fängt ja gut an! Samuel Hahnemann gleich auf den ersten Seiten, aber es kommt noch besser, denn ich lerne eine Menge über das 19. Jahrhundert. Ich lerne eine Menge über Frauen, KIndererziehung, Musik und das beschwerliche Reisen zu dieser Zeit. Ich lerne eine Menge über Komponisten.

Zum, Beispiel über diesen hier: Ferdinand Hiller, geboren 1811.Komponist.

Er schrieb einen Artikel : Zu viel MUSIK!

Zuerst  schildert Hiller, wie ein Musiker/Komponist seinen Tag beginnt im Jahre 1848, dass er schon beim Aufstehen von einem Trommelwirbel in seiner Strasse geweckt wird. Weiter: Egal wo und wann, überall nervt ihn fremde Musik, denn so kann er nicht arbeiten, nicht komponieren! Die Wände waren dünn damals, aber auch auf der Strasse  wurde überall musiziert. Und so kommt er zu dem Schluss:

So übermäßig viel wird in unserer Zeit auf Schritt und Tritt, in öffentlichen Gärten, und auf öffentlichen Plätzen und in öffentlichen Sälen den Leuten Musik geboten, dass sie fast aufhört, ihnen etwas mehr zu sein als eine fast gewohnte Begleitung zum Essen und zum  Trinken, wenn sie nicht gerade unbequem, ja, störend wird.Wohin sich retten vor der Musik, die uns heutigen Tags wie eine zweite Atmosphäre zu umgeben scheint?”

(Aus:Dieter Kühn: Clara Schumann, Klavier, Fischer Verlag 1998)

Und heute? Heute haben wir und vor allem die Kinder und Jugendlichen genau diese zweite Atmosphäre und enorm hohe Anforderungen in der Schule und mit ihrer virtuellen Umwelt klar zu kommen.

Sie haben einen Mac, einen I-Pod (oder ein anderes Smart Phone). Ich kenne fast kein Kind mehr, dass OHNE Musik Hausaufgaben macht- oft mit In-Earphones  oder Headset. Alternativ steht der Mac (alternativ PC ) auf dem Schreibtisch und you tube Videos der  Mainstream Vertreter  brüllen in das Rechenzentrum/Sprachzentrum der Jugendlichen ihre berechenbaren und billig gestrickten Mainstream Songs.

Gebadet wird mit Musik und Pipi gemacht auch.

Vom aufstehen bis zum schlafen gehen die volle Dröhnung auf die Ohren, die Nerven, die Sinne.

Machtlose Eltern, mächtige Jugendliche, die sich durchsetzen.

Konzentrationsmängel und zunehmend oberflächliches Arbeiten, huschhusch, mal eben zwischen Butterbrot und Beyonce.

Ein Trost: Die Klagen sind seit 150 Jahren gleich- das Ausmass ist nur noch größer.

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Maries Schüchternheit

Marie ist vier Jahre alt, vielleicht auch erst dreieinhalb. Sie kommt zum ersten Mal, weil sie schlecht hört und immer wieder Ohrenentzündungen hat. Sie atmet nur durch den Mund und schnarcht laut, wie ein „alter Mann“ sagt die Mutter.
Ich bin soweit, Marie hat brav auf Mamas Schoß gesessen und nun will ich mal in ihre Ohren sehen und in den Hals. Sie darf auf Mutters Schoss  sitzen bleiben.
Ich: Marie, guck mal! Mit dem kleinen Lämpchen hier , da schau ich mal eben in deine Öhrchen ja?
Mutter: Die Frau W. sieht jetzt mal mit dem Lämpchen in dein Ohr.

Marie guckt ängstlich.

Ich: Das tut gar nicht weh, Marie. Ich versprech es dir.
Mutter: Die Frau W. tut dir nicht weh!
Ich nähere mich dem kleinen Ohr mit dem Otoskop.
Marie guckt ängstlich.
Ich: Ich fasse jetzt mal dein Öhrchen an, Marie und dann leuchte ich hinein.
Mutter:  Frau Doktor untersucht jetzt mal dein Ohr. Brauchst keine Angst haben. Schön still sitzen.
Marie weint leise, sitzt aber ruhig.
Ich : So, das hast du prima gemacht, Marie. Hat es weh getan?
Mutter: Die Frau Doktor will wissen, ob es weh getan hat?
Marie schüttelt den Kopf. Weint nicht mehr. Drückt sich an die Mutterbrust.
Ich: Ich bin kein Doktor, sagen Sie doch einfach Frau W. , sonst werd ich hier noch zur Hochstaplerin. So, Marie, jetzt einmal den Mund aufmachen und brüllen wie ein Löwe, ja?
Mutter: Die Frau Doktor möchte, dass du den Mund aufmachst und brüllst.
(Ich überlege, wie ich schnell an ein paar neue Nervenstränge komme. Jetzt. Hier.)
Ich: Super, da kann ich schön rein sehen, wie es in deinem Hals aussieht!
Mutter: So kann Frau Doktor schön sehen, wie es in dir aussieht!
(Ich überlege alternativ, mal eben aus dem Fenster zu springen, da neue Nervenstränge nicht in Sicht sind. Verwerfe den Gedanken, denn ich bin im Erdgeschoss.)
Ich: Marie, willst du denn gar nicht mit mir sprechen?
Mutter: Frau W. möchte mal hören, ob du sprechen kannst.
Marie schüttelt  vorsichtig ihren Kopf und sieht mich von schräg unten an.
Mutter: Wissen Sie, Marie ist so furchtbar ängstlich und schüchtern bei Fremden!

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Susannas Hasch

Das hier, das ist Susanna: Susanna ist 17 Jahre alt. Susanna geht auf ein Gymnasium. Susanna kommt aus „gutem Haus“. Susanna hat’s schwer mit der Atmung. Sie glaubt, sie hat Asthma. Nein: Sie weiß, dass sie Asthma hat. Es ist diagnostiziert und sie benutzt Salbutamol und Flutide seit einem halben Jahr (atemwegserweiternde und entzündungshemmende Mittel).

Und nun sitze ich hier mit der zierlichen und bildschönen Susanna  (Foto mit ihrer Genehmigung veröffentlicht) und frage mich, warum sie mich wohl von selbst angerufen hat, ohne ihre Mutter einzuschalten?
Am besten ist es,  ich frage Susanna  direkt:
Ich:  Susanna, du hast  also Luftprobleme? Was meinst du, was ich tun kann für dich?
Sie: Ich will wieder beim Sport mitmachen und nicht nur rumsitzen. Das ist doof, da nur rum zu sitzen wie ne alte Frau.
Ich: Stimmt. Das ist blöd.Seit wann hast du das denn, das Problem?
Sie: Seit zwei Jahren ungefähr. Aber das wird immer schlimmer. Ich hatte nie Probleme mit meiner Gesundheit. Auch als kleines Kind nicht.
Wir gehen ihre Krankengeschichte durch und tatsächlich, es ist eine sogenannte leere Anamnese. Sozusagen die jungfräuliche Unbeflecktheit. Nichts und wieder nichts. Bis auf das Belastungsasthma, das Pfeifasthma beim Aufstehen morgens, das Hustasthma abends, das  Liegeasthma im Bett…
Ich: Komisch. Kommt einfach so, aus heiterem Himmel, dein Problem?  Sag mal, rauchst du vielleicht seit zwei Jahren?
(Wieso ist mir das nicht gleich eingefallen?)
Sie: Nein.  Nicht wirklich.
Ich: Wie? Du rauchst also unwirklich? So zu sagen irreal?
Sie (grinst verlegen) : Ich kiffe.

Ich: Oh.
Sie: Ja.
Ich: Seit wann? Wieviel? Auf welche Art?
Sie: Seit ich 13 Jahre bin. Ich drehe Joints und ich esse Muffins oder Kekse, wirkt besser.
Ich : (professionell  cool aus der Wäsche guckend): Sonst noch irgendwelche Drogen?
Sie: Speed. Alles, was ich so kriegen kann. Kokain. Ab und an.
Ich: Oh.
Sie: Ja. Ist voll geil. Da geht die Post ab. Auf Speed bin ich zwei Tage so gut drauf, dass ich nicht schlafen muß. Dann ist das Leben so- so…total da! Dann bin ich so drin. Das ist  cool.Mein Freund macht es auch. Aber er ist von der Schule geflogen deswegen, er hat gedealt, sie haben ihn erwischt mit Cannabis. Hat ein Verfahren am Hals. Macht massiv Stress in der Familie. Echt.
Ich: Oh. Wieviel kiffst du denn so? Mal am Wochenende oder so was?
Sie: Ne, ich rauche ca. xx Gramm am Tag.
Ich – völlig ahnungslos mit  der Umrechnung von Gramm auf Joints- muß noch mal nachfragen.
Ich: Wieviele Joints sind es denn täglich ungefähr?
Sie:  Ich denk mal so 10, 12, 14- sowas in der Art. Am Tag.
Ich: Oh.
(Scheint heute mein OH Tag  zu werden)
Sie: Ich habe gelesen im Netz: Mein Asthma kommt vom Joint rauchen und ich will, dass Sie mir Kügelchen geben, damit ich aufhören kann damit. Ich habe gelesen, dass die Homöopathen so was haben.Darum bin ich eigentlich hier.
Ich: Oh.
(Mist. Schon wieder. Sie wird denken ich bin Gaga im Kopf)
Ich: Und deine Mutter, weiß  die von deinem Joint rauchen?
Sie: Klar. Wir backen manchmal Muffins zusammen und haben Spass. Aber wieviel ich wirklich kiffe, das weiß sie nicht.
Ich: Oha. Oho.
(Immerhin, meine Hirnleistung kommt in Gang).
Ich: Du willst also ein paar nette Kügelchen und die willst du einnehmen und dann soll deine Sucht- denn du BIST süchtig, abhängig – einfach verschwinden?
Sie: Yepp.
Ich: No.
Sie: Wie  jetzt? NO?
Ich: Yepp.
Sie: Oh.
(Na. Geht doch! )
Ich: Pass auf, liebe süße Susanna: Du brauchst  1.) eine Suchtberatung 2.) eine Klinik zum Entzug 3.) Willen 4.) Selbstverantwortung  5.) Unterstützung deiner Mutter
Sie: Oh.
(haha)
Ich: Yepp. Und deswegen  ist hier unser Gespräch zu Ende. Denke darüber nach und wenn du wirklich willst, dann besorge ich dir alle Adressen, Anlaufstellen und Kontakte, die dir weiterhelfen. Ruf mich an, wenn du das klar hast für dich. Das ist meine Meinung. Meine Nummer hast du ja und ich wünsche dir sehr sehr, dass du das schaffst! Ich hoffe, ich höre bald von Dir.
Sie: Ich bezahle sie doch!  Sie müssen mir doch helfen, wenn ICH das will! Haben Sie nicht so einen Eid geschworen? Sie können mich doch nicht so wegschicken!
Ich: Ich muß gar nichts, Susanna. In diesem Fall mußt Du! Und zwar schnell in die Gänge kommen.Einen Eid habe ich nicht geschworen, aber ich könnte hier und jetzt schwören, dass du es schaffen kannst von all dem Zeug loszukommen, wenn du es willst.
Susanna rauscht raus. Sauer und gar nicht mehr cool. Zwei Wochen später ruft sie mich an. Sie hat einen Klinikplatz.
OH. OHA!

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Rubbel die Katz

Guten Morgen,

bevor die Rotznasen mich fordern ein großer Dank an euch alle! Ich bin überwältigt von den vielen positiven Zuschriften, die ihr mir zukommen lasst.

Mit so einer Resonanz habe ich nicht gerechnet.

Ich habe mir zuerst mal eine meiner Katzen geschnappt und folgendes zu meiner Beruhigung gemacht:

Gott sei Dank habe ich zwei dieser Exemplare, so dass ich immer eine erwischen kann.

Ihr habt Fragen gestellt, ein paar kann ich beantworten:

  1. Ich gebe natürlich keine konkreten homöopathischen Heilungstipps in meinem Blog. Jeder Fall ein Anderer.Aber ab und an werde ich sicher über ein paar Arzneien schreiben. Wenn ich Lust dazu habe.
  2. Ihr wollt mehr Lächerliches lesen. Ich werde mir Mühe geben, damit ihr was zu Lachen habt.
  3. Ihr könnt den Blog abonnieren.Dazu gebt ihr  rechts unter: Follow eure Email Adresse ein und dann werdet ihr informiert, wenn es einen neuen Text gibt.
  4. Kommentare schreibt ihr mir, wenn ihr unter jeder Geschichte auf das Wort Kommentar klickt. Schreiben, abschicken und warten, bis ich den Kommentar “freischalte”.

Nun geht es auf zu den Rotznasen, Röchlern und Pipimachern.

Aber vorher rubbel ich noch mal eben eine meiner Katzen.

Eure Vorsitzende der Nucki-Liga, die Heike-Marie

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Sarahs Windel

Sarah hat seit Tagen mehrmals täglich Durchfall. Sie ist 14 Monate alt und ihr allgemeiner Zustand ist gut. Trotzdem ist ihr Stuhl nicht in Ordnung, wahrscheinlich sind es die Zähne, die sie plagen- dann reagiert der Darm auch gerne mal.

Leider, leider drückt sie in der Praxis bei ihrem Besuch nichts in die Windel. Ich frage die Mutter:

Ich: Wie sieht er denn aus, der Windelinhalt? Wie riecht er?

(Solche Fragen sind das tägliche Los eines Homöopathen. Wir wollen alles genau wissen. Ganz genau. Nicht, weil wir neugierig sind, sondern weil wir eine Arznei finden wollen.)

Mutter: Eklig riecht er und sieht irgendwie gelb aus.

Ich: Ist er so wie Gelee? Oder eher faserig? Stückig? Breiig? Grünlichgelb oder ocker?

Mutter: Meine Güte! Was ist denn faserig? Stückig? Sie stellen ja Fragen! Keine Ahnung.

Ich (hartnäckig) : Und der Geruch?

Mutter: Eklig. Sagte ich ja schon.

Ich: Sauer? Faulig? Süßlich? Wie faule Eier? Stinkbomben?

Mutter: Jaja. Stinkbombe. Kann man so sagen. Ich lüfte danach eine halbe Stunde. Vielleicht aber auch sauer? Nein, nein. Am ehesten Stinkbombe.

Wir besprechen, dass sie den Durchfall noch mal einen Tag begutachten soll und ich gebe ihr vorsorglich drei verschiedene homöopathische Arzneien als Globuli mit nach Hause.

Abends bekam ich dann das hier per Mail:

Mit der Bemerkung:

So, das ist die erste Ladung. Davon gab es in etwa vier heute. Sie werden besser wissen, wie das Zeug nun aussieht. Ich würde sagen: Eklig.

Und kurze Zeit später kam das hier:

   Die Mutter schrieb dazu:

  Scheint nicht mehr viel drin zu sein in   dem  Kind.

  Wenn es Ihnen denn hilft, eine Arznei zu   finden,   dann mache ich noch weitere Fotos.

 Gruss

Sie haben geholfen, die Fotos. Ich konnte a) lachen und b) eine homöopathische Arznei verordnen, die schleimig fadenziehende, ockerfarbige, nach faulen Eiern stinkende Stühle bei gutem Befinden in der Zahnungsperiode heilen kann.

Manchmal ist es halt ein bißchen eklig, das Homöopathenleben: Es kann nach faulen Eiern stinken, schleimig, gallertartig oder blutig sein.

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Antons Verstopfung

Anton ist 7 Jahre alt und sitzt heute zum ersten Mal vor mir. Ein zartes Knäblein, dem ich erst Mal die Furcht nehmen will, dass hier bei mir Dinge passieren, die ihm wehtun oder die sehr unangenehm sein könnten. Anton ist schüchtern, still und blass und sieht mich nicht an.

Wir einigen uns darauf, dass wir heute zusammen Sherlock Holmes (ich, mit der Lupe) und Dr. Watson (er, mein Assistent) spielen und gemeinsam den Fall Anton detektivisch unter die Lupe nehmen. Oh Wunder: Anton kennt die Figuren! Das ist heute selten.

Als Ergebnis werde ich mit seiner Hilfe eine homöopathische Arznei finden, die ihm bei seinen gesundheitlichen Problemen helfen kann.

Anton möchte am liebsten was ganz ganz Giftiges von mir bekommen: Schlangengift (Lachesis ) oder Froschgift (Bufo rana). Vielleicht aber auch Gold (Aurum) oder Platin (Platinum). Er ist aufgetaut, der kleine Anton.

Doch bevor ich mich für eine Arznei entscheiden kann, muss ich Anton alles Mögliche fragen:

Ich: Wie sieht es denn mit deiner Verdauung aus? Kannst du einmal am Tag zum Klo gehen?

Fragender Blick zur Mutter, die aufmunternd nickt.

Er: Nicht einmal. Bestimmt viele Male . So fünf, acht Mal, so.

Ich: Wow! Das ist aber oft. Bestimmt zum Pipi machen, oder?

Er: Ja. Pipi machen.

Ich : Das meinte ich aber nicht. Ich meinte eher Kacka machen. Oder wie sagt ihr bei euch dazu?

Anton: Fragender Blick zur Mutter

Er: Weiß nicht.

Mutter: AA. Wir sagen AA, Anton.

Er: Ach so, das meinst du! Also….ich weiß nicht. Ich glaube nicht, dass ich einmal am Tag AA mache.

Ich: Warst du heute schon?

Er: Ne.

Ich: Warst du gestern?

Er: Ne. Auch nicht.

Ich : Versuch mal, dich zu erinnern.

Er: Vor ungefähr einem Monat war ich mal.

Ich: Oh. Das ist erstaunlich.

(Halte mich  am Stuhl fest, um nicht vor unterdrücktem Lachen runter zu fallen).

Mutter: Das kann doch nicht sein, oder?

Ich: Anton, das würde gar nicht gehen. Dann wärest du gestorben.

Er:Ich glaube, dann war es vielleicht doch heute Morgen, wenn das Andere nicht geht!

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Jesse trotzt

Heute kommt Claudia, weil ihr Sohn heftige Trotzanfälle hat.”"Jesse trotzt. Er macht mich wahnsinnig. Jeder Tag ist ein einziger Kampf vom Aufstehen bis zum Schlafen gehen. Ich kann nicht mehr!” stöhnt Claudia – Jesses Mutter-  bei ihrem ersten Besuch. Ich höre mir an wie sehr Jesse trotzt und finde, dass er den Rahmen eines “altersgemäßen” Widerstandes sprengt. Mehrmals täglich manövriert sich der Junge in einen wütenden Zustand, aus dem er alleine kaum herauskommt. Er schlägt sich oft selbst, beißt sich vor Wut in den Arm oder seinen Pullover und wenn es schlimm kommt, schlägt er seinen Kopf an die Wand, wirft mit Metallautos nach der Mutter oder schlägt und tritt sie.

Die zweite Aufgabe ist für sie, den Tagesablauf und die typischen Zeiten und Situationen aufzulisten, in denen ihr Jesse ausrastet damit wir Hürden in der alltäglichen Routine erkennen können und diese Hürden entfernen.

Zuletzt soll Claudia eine Woche beobachten und aufschreiben, wer jeweils den Kampf gewinnt und mit welchen Mitteln.

Dann werden wir uns wieder zusammensetzen. Claudia wollte homöopathische Kügelchen gegen Jesses Trotzanfälle.

Ich weiss, dass schon ein anderer Blick auf das Kind und sich selbst- genannt Reflektion- Wunder wirken kann und eine deutliche Beruhigung sowie etliche Erkenntnisse über das eigene Verhalten und den Grund für das Verhalten des Kindes bringen kann. Mit der Erkenntnis, was alles schief läuft im Alltag, kommt dann schnell und häufig eine Änderung des Verhaltens auf beiden Seiten. Ich gebe Claudia noch einen Artikel mit (http://home.mweb.co.za/to/torngren/kinder.htm) der ihr erklärt, warum Jesse so reagiert. Verhalten verstehen und nicht persönlich gekränkt sein, das hilft immens weiter, wenn aus kleinen Engeln plötzlich gewaltige Bengel werden.

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